I can't find myself | Music Monday #104

03 Juli 2017

Wenn ich an diese Rubrik denke, denke ich im Moment immer wieder: „Das Lied, was beschreibt wie es dir aktuell geht, existiert nicht.“ Und: „Da muss es doch etwas Positives geben.“ Gibt es auch. Nur nicht heute. Was soll ich sagen, kein Lied fängt mich zurzeit auf. Kaum eines spielt überhaupt. Und dann gibt es da doch eins. Lange vergraben und doch so gut wie eh und je in seiner zerrissenen Art: „Lost“ von The Cure.
 
 The Cure - "Lost"
 


I can't find myself
In the head of this stranger in love
Holding on given up
To another under faded setting sun.
 
And I wonder where I am...
Could she run away with him?
So happy and so young.
 
Jajaja, The Cure. Dieser alte Zotteltyp mit dem ewig und drei Tage alten Cleopatra-Eyeliner und dem Lippenstift, der ständig all-over-the-place ist. Wo ist die alte Tante mit ihrem speichelbenetzten Daumen, um da mal für Ordnung zu sorgen? Musikalisch dudeliges 80er-Jahre-Charts-Best-of-Flair. Friday I’m in love? Not anymore. Danke und aus. So oder so ähnlich waren meine Assoziationen zu The Cure bis vor etwa 5 Jahren.  
 
Und dann kam das Jahr in dem ich das Album „The Cure“ entdeckte. „The Cure“ von „The Cure“ von 2004 - ein selbstbetiteltes Album nach ca. 30 Jahren Bandexistenz. Wie kann das keine Neugier verursachen oder zumindest Verwunderung auslösen? Ein Album, was mich wirklich begeistert hat.
 
I can't find myself
I got lost in someone else. 
 
Mit dem Song „I can’t find myself“ besteht die Chance, dass ihr euch nach dem Hören schlechter fühlt als zuvor. Unbestreitbar. Aus motivatorischer Sicht also ein Downer. Nichtsdestotrotz ein guter. An dieser Stelle hätten wir wieder die altbewährten Argumente für traurige Lieder: Das kollektive Gefühl von „Ich bin nicht alleine“, der Wert von reinigenden Tränen und nicht zuletzt: Authentizität auf dem Blog, ne! Aber ich nehme an, wenn ihr reingeklickt habt, wisst ihr schon ganz gut worauf ihr euch  eingelassen habt und seht es vielleicht sogar ähnlich.  
 
All-over-the-place, die Zweite. Das ist es, wofür der Song für mich thematisch steht. Lass die Bedeutung im Kontext der restlichen Lyrics ruhig ein anderer sein, für mich findet sich hier die Songzeile meines derzeitigen Zustandes: I can't find myself. Dieses nicht wissen, was man zuerst fühlen soll. Ob man sich freuen oder „nein“ schreien soll. Ob man wegrennen oder mit offenen Armen "Ja, hier bin ich und ich bin willig." rufen soll. Ob man lacht oder heult. Oder ob man vor fehlender Kraft einfach in sich zusammen und in einen tausendjährigen Schlaf fallen soll. Sich mit dem nächsten Ausatmen einfach sanft über dem Boden verteilen und verschwinden. 
 
Was ist eure Meinung zum Song und zur Band?
 
In welchem Aggregatzustand ihr euch auch immer gerade befinden mögt: Alles geht weiter und wird irgendwann gut. Alles Liebe und bis bald!
Eure Katharina
 

Kommentare:

  1. Liebe Katharina... den Song kannte ich mal wieder gar nicht, auch die Band nicht. Aber gefällt mir. Ich mag solch leicht traurigen Songs. Sehr nachdenklich, was mich daran erinnert, dass ich auch mal wieder Musik machen könnte... ewig her dass ich ein YT video mit Musik hochgeladen habe.
    LG Tina =)

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    1. Hallo liebe Tina,
      ah, du kennst The Cure nicht? Das gibt's ja gar nicht! Hör dir mal "Friday I'm in love" an - das musst du schon mal gehört haben.
      Und du machst Musik auf Youtube?!?!?! Wahnsinn! Warum in aller Welt wusste ich noch nichts davon? Wo kann man das denn finden? Interessiert mich brennend. Bin grad mega hibbelig deswegen!

      Katharina
      <3

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  2. "Was soll ich sagen, kein Lied fängt mich zurzeit auf. Kaum eines spielt überhaupt." same. Ich dachte ja, ich wär allein mit diesem Phänomen, aber scheinbar nicht. Weiß aber nicht, ob ich das gut find. :/

    Ich find die Stimme vom Zotteltyp (haha :)) ziemlich gut, weil sie so nicht glatt und nicht perfekt ist, was total eigenes. Erinnert mich auch sehr an Conor Oberst. Der Song gefällt mir am Anfang auch, aber wird dann irgendwie zu Lärm. Weiß gar nicht, wie ich das sagen soll, ohne dass es mies klingt.
    In meiner Playlist der traurigsten Lieder ever sind The Cure auch vertreten mit "There Is No If..." - schrecklich im guten, aber auch im schrecklichen Sinne, haha.

    Würde ich einen Music Monday machen, dann würde ich zur Zeit "Beautiful Loser" von William Control reinhauen. Von der Melodie eigentlich voll passend, geht ganz gut ins Ohr, aber der Text ist mir zu krass, um mich irgendwie dazu äußern zu wollen oder ihn wirklich so zu teilen nach dem Motto "Hey hört mal, geil oder?" Jap.

    Definitiv ein sehr authentischer Beitrag und ich hoffe, dass sich deine letzten Worte bewahrheiten. Der Beitrag kommt mir auch ein bisschen schwer vor und das tut mir mega leid. Alles Liebe.

    Maja

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    1. Oh, liebste Maja, das klingt bei dir auch nicht wirklich gut. Wenn man die eigenen Worte gespiegelt durch andere liest, merkt man erst wie krass das klingt. Man. Die Parallelität gefällt mir auch nicht, v.a. da bei uns beiden die Musik ja extrem wichtig ist. Manchmal ist es wohl einfach so, dass im Kopf einfach nichts anderes mehr Platz hat. Mit der Musik geht's bei mir grad wieder langsam los, obwohl's privat noch ne Runde tiefer in der Achterbahn geht. Die Reihe und der Blog werden wohl in Zukunft wieder mehr was selbsttherapeutisches bekommen.

      Robert Smiths Stimme ist wirklich einmalig. Ja, auch schief irgendwie aber eben auch so ungefiltert und das nach all den Jahrzehnten noch. Das muss man erstmal schaffen. Am Ende lärmt "I cant find myself wirklich". Stört mich auch ein wenig.

      "There is no if" muss ich gleich mal youtuben, genauso wie William Control.

      <3
      Katharina

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  3. Liebe Katharina, mir persönlich gefällt das Lied nicht so sehr, aber das ist einfach Geschmackssache. Ich verstehe aber sehr gut, was du meinst... Klar ist es irgendwie eher ein Downer, aber ab und zu braucht man einfach solche Lieder, weil sie eben so gut passen :-) Ganz liebe Grüße, Cindy von Fräulein Cinderella

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    1. Musik ist wohl wie kaum etwas anderes Geschmackssache. Umso mehr freut es mich, dass du trotzdem reingehört hast und dich in dem Text ein bisschen wiedergefunden hast. Das bedeutet mir sehr viel! :)

      Liebe Grüße
      Katharina

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